Psychologie

Die Lebenserwartung steigt, das Lebensumfeld verändert sich, die Welt wird immer lauter – da wundert es nicht, dass immer mehr Menschen unter Hörproblemen und Schwerhörigkeit leiden. Nichts desto trotz fühlen sich viele Hörgeschädigte allein und ausgegrenzt.

Hören ist Kommunikation

Kommunikation ist ein wesentlicher Bestandteil des Zusammenlebens und bedeutet Lebensqualität. Egal ob ein Gespräch mit dem Partner, die fröhliche Kegelrunde oder eine berufliche Besprechung: Wer schwer hört, fühlt sich in diesen Situationen zunehmend unwohler und überfordert. Immer wieder kommt es zu Situationen, in denen man sich ausgegrenzt fühlt und die Hörminderung schmerzhaft bewusst wird.

Jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf einer Hörminderung

Unsicherheit, Wut, Resignation, Hoffnung – die Diagnose der Hörminderung löst in den meisten Menschen die widersprüchlichsten Gefühle aus. Der eine kann besser mit der Situation umgehen, dem anderen fällt es schwerer.

Der entscheidende Faktor: Offenheit und Akzeptanz

Gehen Sie offen mit Ihrer Hörminderung um und lernen Sie, diese zu akzeptieren. Je offener Sie mit dem Thema umgehen, desto leichter wird es auch Ihrem Umfeld fallen, sich auf die neue Situation einzustellen. Missverstände und Unsicherheiten werden so von vornherein ausgeschlossen.

Mit der Hörminderung leben lernen

Der Umgang mit einer Hörminderung ist für jeden Betroffenen eine große Herausforderung. Es schmerzt, sich auf einen der wichtigsten Sinne nicht mehr verlassen zu können, bis zu einem gewissen Punkt gar auf ihn verzichten zu müssen. Umso wichtiger ist es, sich dieser Herausforderung zu stellen und Schritt für Schritt zu einer neuen Lebensqualität zu gelangen.

Leugnen
Zu Beginn werden die Hörprobleme verdrängt: Die Mitmenschen sprechen zu leise, das Radio hat einen schlechten Klang. Es findet sich immer eine passende Erklärung, wenn etwas nicht verstanden wird.

Ablehnung
Die Erkenntnis, dass ein Hörproblem vorliegt, löst eine Vielzahl an Gefühlen aus: Wut, Trauer oder Neid auf Besserhörende.

Verhandlung
Auf der Suche nach Auswegen werden Kompromisse geschlossen. Lebensweisen werden geändert oder Höreinschränkungen schön geredet: „Man muss ja nicht alles verstehen.“

Verzweiflung
Die Erkenntnis, dass tatsächlich ein nicht mehr rückgängig zu machendes Hörproblem vorliegt und ein Hörsystem nötig ist, löst Verzweiflung aus. Es dauert einige Zeit, bis eine Behandlung auch als Lösung der Hörprobleme betrachtet wird.

Akzeptanz
Sobald das Hörproblem akzeptiert ist, geht die psychische Belastung zurück. Es beginnt eine intensive Auseinandersetzung mit Lösungsmöglichkeiten, wie z. B. Hörhilfen, Hörgeräten oder gezieltem Hörtraining.

Planung
Erste Erfahrungen mit Hörgeräten sind gemacht und das Leben bekommt wieder Farbe. Die Betroffenen schmieden neue Pläne und gehen nun zuversichtlicher und sicherer mit den gesellschaftlichen und zwischenmenschlichen Herausforderungen um.

Bewältigung
Die Schwerhörigkeit ist akzeptiert und wird mithilfe von Hörtraining und moderner Technik behandelt. Die Betroffenen erkennen die Behandlung als Gewinn, sind stolz auf Ihre eigene Leistung und gehen mit gestärktem Lebensmut in die Zukunft.

Die Belastungen im Alltag

Hörgeräte helfen eine Hörminderung zu bessern – aber Sie sind kein Heilmittel. Auch mit dem besten Hörsystem können Sie nicht wieder so hören wie ein hörgesunder Mensch. Für viele Betroffene führt dies im Alltag immer wieder zu belastenden Situationen.

Mit der Situation umgehen lernen

Eine Hörminderung erfordert im Alltag ein Maximum an Konzentration, um immer alles bestmöglich zu verstehen. Viele Hörgeminderte versuchen dabei ein Höchstmaß an Perfektion zu erreichen. Zusätzlich versucht man, die Worte von den Lippen abzulesen oder den Kopf immer so zu drehen, dass das „bessere“ Ohr verstärkt zum Einsatz kommt. Dies ist sowohl körperlich als auch psychisch sehr belastend. Daher ist es wichtig, sich nicht zu überfordern und genug Entspannungsphasen einzubauen.

Selbsthilfegruppen

Mit anderen Betroffenen reden zu können hilft nicht nur die psychischen Belastungen besser zu verarbeiten, sondern ist oft auch im Hinblick auf den Austausch über neue Therapien oder technische Hilfen sinnvoll.

Professionelle Unterstützung

Neben Selbsthilfegruppen bieten sich teilweise auch Therapien an, um mit einer Hörminderung besser leben zu können. In der Audiotherapie werden alle Aspekte der Schwerhörigkeit erfasst und mit gezielten Übungen behandelt. Eine logopädische Behandlung kann sinnvoll sein, wenn ein Hörgeschädigter Sprache nur noch sehr schlecht wahrnimmt und dadurch selber beginnt, undeutlich zu sprechen.

Hilfe für die Seele – Psychotherapie

In manchen Fällen ist die psychische Belastung durch eine Hörminderung sehr groß oder wird durch weitere Faktoren zusätzlich verstärkt. Hier empfiehlt sich unbedingt der Besuch eines geeigneten Therapeuten, der neben seiner psychologischen Kompetenz im besten Fall auch über Kenntnisse der Audiotherapie verfügen sollte. Niemand muss mit der psychischen Belastung alleine leben – Hilfe suchen und annehmen ist ein wichtiger Punkt zu neuem Lebensmut.

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